So häufig schreibe ich hier ja leider gar nicht, aber nach der Sky-Geschichte gibt es jetzt wieder ein Thema, bei dem mir der Kamm schwillt und wo ich unbedingt meinen Senf dazugeben muss:
Jeder Flensburger, der das alte Hallenbad kannte, weiß, dass dieses Bad nicht zu halten war. Die gewaltigen Investitionen, die notwendig gewesen wären, um es auf einen auch nur halbwegs nutzbaren Stand zu bringen, wären exorbitant hoch gewesen. Also blieb nur der Verzicht auf ein Hallenbad oder ein Neubau.
Da sich die Verwaltungen der Städte Flensburg und Glücksburg aber – aus welchen Gründen auch immer – zum Zeitpunkt dieser Entscheidung, vorsichtig ausgedrückt, nicht grün waren, baute jede Stadt ihr eigenes Bad:
Glücksburg baute am Ort des alten Wellenbades die „Fördeland Therme“, Flensburg entschied sich dafür, in direkter Nähe zur Universität das „Campusbad“ zu bauen.
Die Fördeland Therme wurde dabei als Spaß- und Freizeitbad konzipiert, in dem aber auch ein 25-Meter Sportbecken vorgesehen war. Das Campusbad in Flensburg wurde – auch auf Drängen der Flensburger Schwimmvereine – als Sportbad mit einem 50-Meter Sportbecken konzipiert und gebaut. Zusätzlich gibt es einen kleinen Spaß- und – heutzutage für jedes Bad unverzichtbar – einen großer Saunabereich.
Ob diese Entscheidung des damaligen Flensburger Stadtrats eine gute war, sei mal dahingestellt: Sie ist eben genau so getroffen worden und „eigentlich“ hätte man davon ausgehen können, dass die Verantwortlichen in Flensburg nun alles dazu tun würden, dem Campusbad zum Erfolg zu verhelfen.
Doch dann begannen die Probleme des Betreibers Wolfgang Tober:
Der in der Zwischenzeit deutlich veränderte Stadtrat, in dem nun die Wählergemeinschaft „WiF“ die Mehrheit besitzt, hat offensichtlich massive Probleme mit Herrn Tober, speziell die Fraktionsvorsitzende Erika Vollmer. Und auch der Stadtrat John Witt, der nach der Vereinigung der Verwaltungen der Städte Flensburg und Glücksburg für Glücksburg im Stadtrat sitzt, sah „seine“ Fördeland Therme in Glücksburg durch das Campusbad bedroht. Was tun:
Da ortsansässige Politiker üblicherweise deutlich bessere Kontakte zur lokalen Presse haben, als ein „Zugereister“, wurden eben diese Kontakte offensichtlich massiv genutzt: In schöner Regelmäßigkeit erschienen, meistens auf dem lokalen Titelblatt, Artikel, in denen weder das Campusbad noch dessen Betreiber gut dargestellt wurden.
Es wurde z. B. sehr häufig über massive Mängel im Bad berichtet, die gerade in der Anfangszeit des Betriebes auch sicherlich vorhanden waren. Worüber aber niemals berichtet wurde, ist die Tatsache, dass die meisten dieser aufgezeigten Mängel - sofern möglich – schon längst abgestellt wurden.
Am Zustand des Bades können die Probleme also nicht liegen, denn eigentlich jeder, der das Bad zum ersten Mal betritt, ist davon begeistert! Sehr häufig bekommt man als Kommentar „Das hätte ich nicht erwartet. Die schreiben doch immer, das wäre so schlecht....“
Diese Kommentare zeigen deutlich, dass es bestimmten, handelnden Personen in Flensburg ganz eindeutig gelungen ist, das Bild des Campusbades in der Öffentlichkeit derart zu ramponieren, dass kein Betreiber der Welt eine Chance hätte, es gewinnbringend oder zumindest kostendeckend zu betreiben!
Sehr häufig wurden und werden auch die zu hohen Eintrittspreise als Argument gegen das Campusbad vorgebracht. Aber wenn man dann mal sämtliche Tarife der beiden Bäder in Flensburg und Glücksburg vergleicht, dann stellt man schnell fest, dass das Baden im Campusbad eigentlich immer günstiger ist, als beim vergleichbaren Tarif in Glücksburg. Wenn dann im Zusammenhang mit dem Campusbad in einem Onlinekommentar zu einem Tageblatt-Artikel von „abenteuerlichen Preisen“ geschrieben wird, dann findet man diese wohl eher in der Fördeland Therme, in der allen Ernstes ein Sonn- und Feiertagszuschlag von 50 Cent auf jeden Tarif erhoben wird!
Nun hat also der Betreiber des Campusbades sicherlich u.a. auch aufgrund dieser extrem negativen Presse offenbar finanzielle Probleme. Aber er hat auch einen Lösungsvorschlag, welcher für die Stadt Flensburg keinerlei Mehrkosten verursachen würde. Er bietet an, das Unternehmen Marbana – das ist das Unternehmen, mit dem die Stadt Flensburg den Betreibervertrag geschlossen hat – zu kaufen. Die Commerzbank mit ihrer Tochter Commerzreal hat diesem Kauf bereits zugestimmt. Vermutlich deshalb, weil sie weiss, dass sie im Falle einer Pleite von Herrn Tober niemanden finden würde, der das Bad für die Marbana weiterbetreibt. Anwälte und Bänker machen sich schlecht als Schwimmmeister. Als „Gegenleistung“ erwartet Tober nun, dass die Stadt Flensburg die aktuelle „Rate“ für Finanzierung und Betriebskostenanteil von ca. 1,5 Millionen € jährlich „ganz einfach“ weiterhin an die Marbana zahlt. Den „Gewinn“ von ca. 310.000 €, den die Commerzbank bisher aus der Marbana herauszieht, den würde er nutzen, um das Defizit aus dem Sportbereich auszugleichen. Dazu würde er sich auch vertraglich verpflichten.
Es ist also nicht so, wie es in der aktuellen Berichterstattung im Flensburger Tageblatt vom 03. April 2012 rüberkommt, dass die Stadt Flensburg Mehrkosten hätte weil Hr. Tober von ihr eine Erhöhung des städtischen Zuschusses auf 480.000 € fordert: Es geht nach Aussage von Hr. Tober beim Treffen mit den Vertretern der Schwimmvereine am 26.04.12 ausschließlich darum, die Summe von über 300.000 €, die die Commerzreal zur Zeit als Gewinnmitnahme aus der Marbana herauszieht, im Campusbad zu halten und mit diesen für Hr. Tober dann tatsächlichen „Mehreinnahmen“ den defizitären Bereich Sportschwimmen auszugleichen. Die Stadt Flensburg zahlt keinen Cent mehr als die Summe, zu der sie sowieso vertraglich verpflichtet ist!
Warum seinerzeit vor Vertragsschluss keine Analyse der zu erwartenden Besucherzahlen erstellt wurde ist natürlich schwer nachzuvollziehen. Aber unter dem Strich ist das "Kriegsgeschichte" und niemandem nutzt es was, sich darüber heute noch zu streiten. Auch dass die Kalkulation der Eintrittspreise durch Herrn Tober bei Angebotserstellung 2007 völlig andere Voraussetzungen als heute zugrunde lagen, ist nachvollziehbar. Immerhin sind die Energiekosten in den letzten Jahren förmlich explodiert und ein energieverschlingendes Monster wie es ein Hallenbad nun einmal ist, das bekommt das selbstverständlich sofort zu spüren.
Und natürlich macht der Geschäftsmann Tober diesen Vorschlag auch nicht nur aus reiner Nächstenliebe: Für ihn hätte diese Lösung den entscheidenden Vorteil, dass er die 500.000 € Einlage aus seinem Vermögen rettet, die er als Stammkapital in sein Unternehmen Aquavital GmbH eingebracht hat und die er im Falle einer Pleite verlieren würde.
Für die Vereine und Schulen ändert sich bei der von ihm vorgeschlagenen Lösung nichts, für die Stadt Flensburg ändert sich nichts und auch für den "Otto-Normal-Flensburger" nicht:
Alle hätten weiterhin ein Hallenbad, in dem alle auf ihre Kosten kommen: Die Sportler, die Saunagänger und die reinen Spaßbader!
Wenn ich als Nutzer des Campusbads dann aber die Berichterstattung der letzten Wochen und Tage im Flensburger Tageblatt, in der Moin Moin, der Wochenschau und auch im Flensburg Journal lese, dann komme ich für mich zu dem Schluss, dass „WiF“ für „Wir ignorieren Flensburg“ steht, dass die persönlichen Animositäten zwischen einigen Ratsmitgliedern und Herrn Tober wichtiger sind als das Interesse der Flensburger Bürger an einem Hallenbad und dass der feine Herr Witt nur noch daran arbeitet, neben der Fördeland Therme nun auch das Campusbad „unter seine Fittiche“ zu bekommen. Und für welches der beiden Bäder er als Glücksburger und Geschäftsführer der Fördeland Therme sich sicherlich intensiver engagieren wird, das steht zumindest für mich dann schon vorher fest.
Flensburg wird dann vermutlich in naher Zukunft ganz ohne Hallenbad da stehen.

Über das Campusbad Flensburg ist immer wieder in den örtlichen Zeitungen zu lesen, fast immer negativ. Verfolgt man die Berichterstattung in der Zeitung muss man zu dem Schluss kommen dass da auf dem Campus ein marodes Neubau ist in dem statt Wasserbeck
Aufgenommen: Apr 04, 14:05
Aufgenommen: Apr 24, 12:23
Aufgenommen: Apr 24, 12:23